Einleitung
Die Wundanalyse und die ausführliche Anamnese sind die Grundlage für eine erfolgreiche Wundbehandlung. Nur durch genaue Erhebung der Krankengeschichte, Begleiterkrankungen und eine fachkundige Wundbeurteilung lassen sich passende Therapien, Hilfsmittel und Nachsorgemaßnahmen planen.
Warum ist die Wundanalyse so wichtig?
Ziel der Wundanalyse
- Ursachen erkennen (z. B. Druck, Durchblutungsstörung, Diabetes).
- Infektionen und Komplikationen früh erkennen.
- Therapieziele und -prioritäten festlegen (Heilung, Schmerzreduktion, Lebensqualität).
Wer führt die Analyse durch?
Die Wundanalyse erfolgt idealerweise interprofessionell: Ärztinnen, Wundexpertinnen (z. B. ICW®-zertifiziert), Pflegekräfte und ggf. weitere Fachdisziplinen (Gefäßmedizin, Diabetologie, Hautarzt).
Ablauf einer Wundanalyse & Anamnese
1) Gespräch / Anamnese
- Vorerkrankungen (Diabetes, Gefäßerkrankungen, Nierenkrankheit).
- Medikation (Blutverdünner, Steroide, Immunsuppressiva).
- Vorherige Wundbehandlungen und Operationsgeschichte.
- Mobilität, Hilfsmittel, häusliche Versorgungssituation.
2) Klinische Inspektion
- Wundlokalisation, Grösse (Länge × Breite × Tiefe), Wundverlauf.
- Wundrand, Wundbett (Granulation, Nekrose), Exsudat (Menge, Geruch), Farbe.
- Hinweiszeichen für Infektion (Rötung, Überwärmung, Schmerzen, eitriges Sekret).
- Umgebende Haut (Mazeration, Dermatitis).
3) Schmerz- und Lebensqualitätsbewertung
- Schmerzskala, Schmerztyp, Schmerzzeitpunkt (z. B. beim Verbandswechsel).
- Einfluss der Wunde auf Alltag, Schlaf, Mobilität und psychisches Wohlbefinden.
4) Funktionelle und vaskuläre Untersuchung
- Pulsstatus, ggf. Doppler-Untersuchung, ABI (knöchel-brachial-Index) zur Einschätzung der Durchblutung.
- Bei Verdacht auf Infektion: Abstrich, Blutwerte (CRP, Leukozyten).
5) Dokumentation & Foto
- Standardisierte Fotodokumentation mit Maßstab.
- Wunddokumentation nach einheitlichem Schema (Befund, Maßangaben, Maßnahmen).
(Hinweis: Für detaillierte Informationen zur Dokumentation siehe: Dokumentation & Verlaufskontrolle.)
Wundklassifikation und typische Wundtypen
Akute Wunden
Traumatisch, postoperativ — häufig heilend bei adäquater Versorgung.
Chronische Wunden
- Dekubitus (Druckgeschwür), Ulcus cruris (venös/arteriell), diabetisches Fußulkus.
- Chronische Wunden benötigen oft ein interdisziplinäres Management und leitliniengerechte Behandlung.
Therapieplanung & Interdisziplinäre Kooperation
Therapieplanung
Auf Basis von Anamnese und Befund wird ein individueller Behandlungsplan erstellt: lokale Wundbehandlung, Verbandmittel, Druckentlastung, Kompression, medikamentöse Therapie.
Kooperation mit Fachkreisen
Bei Bedarf Einbindung von Gefäßchirurgie, Diabetologie, Schmerztherapie, Orthopädie, Ergotherapie und spezialisierten Wundzentren.
Für Patient*innen & Angehörige — was Sie erwarten und vorbereiten können
Vor dem Termin
- Bringen Sie aktuelle Medikamentenliste, Arztberichte, Bilder der Wunde (falls vorhanden) und ggf. frühere Befunde mit.
- Notieren Sie Fragen oder Symptome (z. B. vermehrter Ausfluss, Fieber).
Beim Termin
- Der/die Behandelnde wird Blutdruck, Puls und die Wunde untersuchen, Fotos machen und eine Empfehlung aussprechen.
- Fragen Sie nach Behandlungszielen, voraussichtlicher Dauer und nach möglichen Nebenwirkungen.
Nachsorge & Alltag
- Wundruhe, richtige Verbandsversorgung, ggf. Druckentlastung und gezielte Bewegungsübungen.
- Informieren Sie sich über Hilfsmittel (Druckentlastungsmatratzen, Schuhzurichtungen) und mögliche Pflegeschulungen.
Checkliste für Ihren Termin
- Aktuelle Medikamentenliste.
- Vorbefunde / Arztberichte / OP-Berichte.
- Bilder der Wunde (bei Verlaufsterminen).
- Informationen zur häuslichen Pflege (Wer versorgt, wie oft?).
- Notizen zu Schmerzen und Belastungen.
Wann ist Eile geboten? — Warnzeichen
Sofortige ärztliche Abklärung bei
- Schwellung, starke Rötung, zunehmende Schmerzen, Fieber oder Schüttelfrost.
- Starker, übelriechender Ausfluss oder blutiges Sekret.
- Schnelle Verschlechterung innerhalb weniger Stunden.


